Der digitale Nachlass ist ein Thema, das viele Menschen unterschätzen. Wer heute stirbt, hinterlässt im Schnitt mehr als 70 Online-Konten — von E-Mail über Banking bis zu Social-Media-Profilen und Cloud-Speicher. Was passiert damit? Und wie können Erben auf diese Konten zugreifen?
Was gehört zum digitalen Nachlass?
Der Begriff umfasst alle digitalen Inhalte und Zugänge, die eine Person im Leben angesammelt hat:
- E-Mail-Konten (Gmail, GMX, Outlook)
- Social-Media-Profile (Facebook, Instagram, LinkedIn, X)
- Online-Banking und PayPal
- Cloud-Speicher (iCloud, Google Drive, Dropbox)
- Streaming-Abonnements (Netflix, Spotify, Amazon Prime)
- Krypto-Wallets und digitale Wertanlagen
- Online-Shops, Marktplatz-Konten (eBay, Amazon Seller)
- Domains, Websites, Blogs mit wirtschaftlichem Wert
Was passiert mit den Konten ohne Regelung?
Ohne klare Vorkehrungen sind Erben oft machtlos. Die meisten Plattformen verlangen spezifische Nachweise, bevor sie Erben Zugang gewähren — und selbst dann ist es unsicher:
- Facebook / Meta: Ermöglicht die Umwandlung in ein „Gedenkprofil" oder die Löschung. Erben müssen Sterbeurkunde und Verwandtschaftsnachweis einreichen.
- Google: Bietet die Option, einen „Inactivity Manager" zu konfigurieren — einen vorab bestimmten Ansprechpartner, der nach einer Inaktivitätsperiode Zugang erhält.
- Apple: Hat seit iOS 15 einen „Legacy Contact" — einen vorab bestimmten Vertrauenskontakt, der nach dem Tod Zugang zu iCloud-Daten erhält.
- Krypto-Wallets: Ohne Private Key oder Seed Phrase ist das Guthaben unwiederbringlich verloren.
Rechtslage: Erben und digitale Konten
Der Bundesgerichtshof hat 2018 (BGH, Az. III ZR 183/17) klargestellt: Erben treten auch in Verträge mit sozialen Netzwerken ein. Sie haben grundsätzlich Anspruch auf Zugang zum Account — Plattformen dürfen dies nicht pauschal verweigern. In der Praxis bleibt die Durchsetzung trotzdem schwierig.
Digitale Vorsorge: Was Sie jetzt tun können
Der einfachste Weg ist proaktive Vorsorge:
- Passwort-Liste hinterlegen: Erstellen Sie eine aktuelle Liste aller wichtigen Zugangsdaten und hinterlegen Sie diese an einem sicheren Ort — verschlossen beim Notar oder in einem Tresor, auf den Vertrauenspersonen im Todesfall zugreifen können. Niemals unverschlüsselt auf dem Computer speichern.
- Digitale Vollmacht: Erteilen Sie einer Vertrauensperson schriftlich die Vollmacht, im Todesfall auf Ihre digitalen Konten zuzugreifen und diese zu verwalten oder zu schließen.
- Plattform-eigene Tools nutzen: Aktivieren Sie den Google Inactive Account Manager, legen Sie bei Apple einen Legacy Contact fest und konfigurieren Sie bei Facebook einen Nachlasskontakt.
- Im Testament erwähnen: Erwähnen Sie im Testament, wo die digitale Nachlassdokumentation zu finden ist — und wer damit was tun soll.
ERITAJ Digital-Nachlass Feature
ERITAJ bietet eine digitale Nachlasslösung, mit der Sie Ihre Online-Konten, Zugangsdaten und Anweisungen sicher hinterlegen können. Vertrauenspersonen erhalten nach dem Tod geführten Zugang — ohne dass Passwörter zu Lebzeiten weitergegeben werden müssen. Die Plattform führt Erben Schritt für Schritt durch die Abwicklung des digitalen Nachlasses.
